Point Alpha
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Point Alpha

Die innerdeutsche Grenze war nicht nur eine Trennlinie zwischen den beiden deutschen Staaten, sondern auch eine zwischen den verschiedenen Gesellschaftssystemen in West und Ost und ihren Militärblöcken, der NATO und dem Warschauer Pakt. Im Kalten Krieg standen sich hier zwei hochgerüstete Systeme gegenüber. Mehr als einmal spitzte sich die Situation so weit zu, dass ein militärischer Schlagabtausch und damit ein Dritter Weltkrieg möglich erschien. Auch außerhalb dieser Spannungsphasen war die Lage von gegenseitigem Misstrauen geprägt.

Die Sowjetunion hatte ihre Streitkräfte nach dem Zweiten Weltkrieg erheblich aufgerüstet und zugleich versucht, den Vorsprung des Westens in der Militärtechnik aufzuholen. Die mit ihr verbündete DDR betrachtete sie als einen vorgeschobenen Posten In Mitteleuropa mit hoher strategischer Bedeutung, der folgerichtig auch militärisch gesichert wurde. Daher waren ausgesprochene Elite-Großverbände der sowjetischen Armee in der DDR stationiert, darunter die 3. Stoßarmee (Hauptquartier in Magdeburg) und die 8. Gardearmee (Hauptquartier in Weimar, später Nohra). Diese und andere Verbände waren bereits Ende der 1950er Jahre den ihnen in der Bundesrepublik gegenüberstehenden NATO-Streitkräften zahlenmäßig überlegen, vor allem bei Infanterieeinheiten und Kampfpanzern. Auch das in der DDR vorhandene sowjetische Arsenal an Artillerie, Kampfflugzeugen sowie chemischen und nuklearen Waffen war beachtlich. Im Westen war auch bekannt, dass die sowjetische Militärdoktrin stets die Offensive der Defensive vorzog. Die NATO ging daher davon aus, dass ein Angriff des Warschauer Pakts auf die Bundesrepublik und damit auf Westeuropa teils nördlich des Harzes, teils aus Thüringen heraus mit einer Zangenbewegung auf das Rhein-Main-Gebiet vorgetragen werden könnte. In den 1960er Jahren kam bei den Soldaten der US-Armee für das mögliche Operationsgebiet dieser südlichen Angriffsbewegung erstmals der Begriff Fulda Gap (Fulda-Lücke) auf.
Deshalb war eine möglichst frühzeitige Vorwarnung für die NATO wichtig. Die US-Armee richtete dazu mehrere Beobachtungspunkte (Observation Posts, OP) direkt an der Grenze zur DDR ein. Von dort war eine akustisch-optische Aufklärung eines möglichen Aufmarsches von Sowjetarmee und Nationaler Volksarmee (NVA) der DDR möglich. Die Observation Posts trugen die Namen India, Oscar, Sierra (später: Tennessee), Romeo und Alpha. Point Alpha lag auf einer 411 Meter hohen Anhöhe oberhalb von Rasdorf (Hessen) und wurde als erster OP bereits 1965 erbaut. Das Foto zeigt den amerikanischen Beobachtungsturm (links), den Metallgitterzaun der DDR-Grenze und einen Wachturm der DDR-Grenztruppen (rechts).
(Aufnahme: Oktober 2015)