Kolonnenweg
Hinter dem vordersten Grenzzaun, der seit den 1970er Jahren zunehmend aus Streckmetall bestand, schloß sich ein 6 Meter breiter Kontrollstreifen an. Dieser wurde von den Grenztruppen von jeglicher Vegetation freigehalten und in regelmäßigen Abständen geeggt. Auf dem derartig aufgelockerten Erdboden sollten sich Fußspuren von Flüchtlingen deutlich abzeichnen.
Dahinter verlief in einigen Metern Abstand der Kolonnenweg. Er diente dazu, Soldaten und Ausrüstung entlang der Grenze zu transportieren. Bei der Ablösung der Grenzposten wurden diese meistens mit einem Dreitonner-Lkw an die verschiedenen Postenstellen gebracht und dort abgesetzt, zugleich nahm man die abgelösten Posten auf. Bei Alarm konnten auch Verstärkungen aus der nächstgelegenen Grenzkompanie herangebracht werden.
Der Kolonnenweg verlief an der gesamten Grenze. Insgesamt war er 1.400 Kilometer lang, über 900 davon waren mit Betonlochplatten verstärkt, um eine Befahrbarkeit bei jedem Wetter zu gewährleisten.
Nach der Grenzöffnung und der Wiedervereinigung dient der Kolonnenweg heute Wanderern und Radfahrern. Die ehemalige innerdeutsche Grenze ist zu einem Grünen Band geworden, weil sich die Natur durch jahrzehntelange Abgeschiedenheit und fehlende Nutzung durch Industrie, Landwirtschaft und Verkehr in einem Maß positiv entwickeln konnte, was in den übrigen Teilen des Landes kaum mehr möglich war. Außerdem führt die Grenzlinie durch landschaftlich reizvolle Gegenden wie dem unteren Elbtal, der Altmark, dem Harz - oder wie auf diesem Foto - durch die Rhön.
(Aufnahme: Oktober 2015)
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