Splittermine SM-70
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Bei der Abriegelung der Grenze ging die DDR-Regierung äußerst rücksichtslos vor. Tote und verletzte Flüchtlinge wurden durch einen Schießbefehl für die Soldaten der Grenztruppen bewusst in Kauf genommen. Anfang der 1960er Jahre wurden an der innerdeutschen Grenze auch Bodenminen verlegt (nicht jedoch an der Grenze zu Westberlin).
Zur weiteren Perfektionierung der Grenzanlagen installierte man ab 1970 eine weitere Minensperre, die Splittermine SM-70. Sie wurde in der ČSSR entwickelt und von den DDR-Grenztruppen als
„Anlage 501“ bezeichnet.

Kernstück der SM-70 war eine selbsttätig wirkende Schießeinrichtung, die am vordersten Grenzzaun, dem Metallgitterzaun (MGZ), angebracht war. In einem Trichter aus Metallblech befanden sich rund 110 Gramm TNT-Sprengstoff, in den anfangs Stahlkugeln, später scharf gezackte Stahlsplitter eingegossen waren. Unter- und oberhalb des Schießtrichters waren Schutzdrähte gespannt, die verhindern sollten, dass Vögel oder Wild die Anlage auslösten. Dazwischen war ein weiterer Stahldraht angebracht, der bei Belastung durch Zug oder Druck einen elektrischen Kontakt schloss. Eine Person, die versuchte, den Metallgitterzaun zu überklettern, musste zwangsläufig diesen Kontaktdraht berühren. Die Sprengladung wurde dadurch elektrisch gezündet, die Stahlsplitter flogen mit großer Wucht bis zu 120 Meter weit heraus und verursachten im Nahbereich sehr schwere, oft tödliche Verletzungen. In den rund 14 Jahren, in denen SM-70 an der Grenze installiert waren, waren über 400 Kilometer Grenzzaun damit ausgerüstet. Über 60.000 Schießtrichter wuren verbaut. Trotz vieler Berichte in westlichen Medien bestritt die DDR entschieden die Existenz dieser Selbstschussanlagen. Schließlich konnte der ehemalige DDR-Flüchtling Michael Gartenschläger zwei SM-70 an der Grenze abbauen und sie der westlichen Presse präsentieren. Beim Versuch, eine weitere Splittermine an der gleichen Stelle bei Bröthen (Schleswig-Holstein) zu demontieren, wurde Gartenschläger in der Nacht zum 1. Mai 1976 von einem Spezialkommando des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) gezielt erschossen. Nachdem es zahlreiche internationale Proteste gegen die SM-70 gegeben hatte, konnte endlich von westlicher Seite der Abbau aller Minensperren ausgehandelt werden. Das geschah vor dem Hintergrund der Vergabe eines Milliardenkredits an die DDR, den der damalige bayrische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß vermittelt hatte. Die letzten Anlagen wurden Ende 1984 von DDR-Grenztruppen demontiert. Mindestens zehn Todesopfer durch die SM-70 sind bekannt geworden. Auch einige Soldaten der DDR-Grenztruppen wurden bei Unfällen mit der Anlage 501 schwer verletzt.
(Aufnahme: Oktober 2015)