Birkenkreuz und Beobachtungsturm
Von dem Beobachtungsturm aus konnten die US-Soldaten das gegenüberliegende Gebiet der DDR aufklären. Sie erwarteten so, einen Angriff des Warschauer Pakts mit einer ausreichenden Vorwarnzeit erkennen zu können, selbst wenn dieser überraschend vorgetragen wurde.
In den 1970er Jahren standen sich auf beiden Seiten der Grenze im Gebiet des Fulda Gap etwa 100.000 Soldaten und rund 4.000 Panzer gegenüber. Die Einheiten der sowjetischen 8. Gardearmee waren in ganz Thüringen stationiert. Das V. Korps der US-Armee hatte die Aufgabe, das kritische Fulda Gap gegen einen Angriff zu verteidigen, denn von hier waren es bis nach Frankfurt/Main nur knapp 100 Kilometer Luftlinie. Die dort vorhandenen Einrichtungen der Amerikaner in Deutschland und eine Linie entlang des Rheins sollten gemäß NATO-Strategie auf jeden Fall gehalten werden. Vor allem über den Frankfurter Rhein-Main-Flughafen und den US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein AFB in der Pfalz sollten im Ernstfall Verstärkungen über eine Luftbrücke aus den USA eingeflogen werden. Dieses Verfahren wurde seit 1968 in jährlichen Manövern geübt (REFORGER = Return of Forces to Germany).
Die Grenze direkt vor Point Alpha wurde am 23./24. Dezember 1975 auch zum Schauplatz eines Flüchtlingsdramas. In der Nacht versuchten zwei junge Männer aus der DDR, die Grenzanlagen in Richtung Westen zu überwinden. Dabei lösten sie eine Splittermine SM-70 aus, die einen von ihnen schwer verletzte. Beide wurden kurz darauf festgenommen und später von DDR-Gerichten zu Gefängnisstrafen verurteilt. In der Bundesrepublik hielt man zumindest einen der Flüchtlinge für tot und errichtete gegenüber der Fluchtstelle ein Birkenkreuz. Erst nach der deutschen Wiedervereinigung stellte sich heraus, dass auch der damals Schwerverletzte überlebt hatte.
(Aufnahme: Oktober 2015)
|